Das Projekt analysiert die Netzwerke deutsch- und österreichisch-jüdischer Exilanten in Mexiko, insbesondere die Vermittlungsarbeit von Paul Westheim und Leo Katz. Es untersucht deren transnationale Verbindungen, ästhetische Transformationen und kulturelle Reflexionen im Exil.
Projektübersicht
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Tatjana Jouravleva
Das Fellow-Projekt widmet sich der Analyse sozialer Netzwerke deutsch- und österreichisch-jüdischer Exilanten in Mexiko. Im Zentrum stehen dabei die kulturvermittelnden Tätigkeiten von Paul Westheim und Leo Katz. Diese Akteure agierten in unterschiedlichen Phasen – vor, während und nach ihrer Flucht – als Vermittler zwischen den künstlerischen und politischen Avantgardebewegungen europäischer Metropolen (u. a. Berlin, Paris und Wien) und der mexikanischen Gesellschaft. Ihre publizistische und intellektuelle Tätigkeit als Schriftsteller, Journalisten und Kritiker war eng mit der jüdischen Gemeinde Mexikos, mit transnationalen Exilnetzwerken sowie mit der politischen Linken des Landes verflochten. Im Zentrum der Untersuchung steht die Rekonstruktion egozentrierter Netzwerke der genannten Akteure an ihren Herkunftsorten, in Transitstationen sowie im mexikanischen Exil.
Die sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse bildet die methodische Grundlage, insbesondere Bourdieus Theorie des sozialen Feldes und des Sozialkapitals, ergänzt durch Konzepte der Akteur-Netzwerk-Theorie nach Bruno Latour. Letztere ermöglicht die Einbeziehung nicht-menschlicher Akteure – etwa Institutionen, Zeitschriften oder geografische Orte – in die Analyse sozialer Interaktionen.
Das Ziel besteht darin, die Interaktionen zwischen Exilanten und mexikanischen Institutionen zu erfassen, die Vermittlungsaktivitäten systematisch zu klassifizieren und die in der Exilpresse artikulierten transnationalen Beziehungen sichtbar zu machen. Ein weiterer methodischer Ansatz besteht in der kartographischen Visualisierung sozialer Verbindungen und räumlicher Konfigurationen. Diese dienen der Verortung spezifischer Aktivitäten und Bewegungen im Exil sowie der Analyse der relationalen Dimension von Netzwerken und der Zirkulation kultureller Konzepte und Praktiken. Ein zusätzlicher Schwerpunkt liegt auf der Untersuchung ästhetischer Transformationen, die als Folge biografischer Brüche im Kontext von Exil und Diaspora zu verstehen sind. Die Reflexionen der Autoren über ihre Exilsituation erfolgen vor dem Hintergrund jüdischer Kultur und Moderne. Sie beeinflussen die kulturelle Selbstverortung und das Zugehörigkeitsempfinden der Autoren.
Dabei wird auch analysiert, inwiefern diese Reflexionsprozesse mit Diskursen in anderen Exilzentren, beispielsweise in den Vereinigten Staaten, korrespondieren und ob sie Eingang in mexikanische intellektuelle Debatten über Nationalismus und die postkoloniale Auseinandersetzung mit indigener Kultur gefunden haben. Zur Umsetzung dieser Forschungsziele werden sozialwissenschaftliche Netzwerkanalyse, Mapping und Visualisierungstechniken (QGIS, Gephi) mit diskursanalytischen Verfahren kombiniert.