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Teilprojekt 5

Schaugemeinschaften: Kino als transkulturelle Öffentlichkeit im mexikanischen Exil

Das Teilprojekt begreift die im postrevolutionären Mexiko durch das Kino gebildeten transkulturellen Öffentlichkeiten als Schaugemeinschaften und analysiert anhand mexikanischer Kinozeitschriften die Artikulation von Gemeinschaft und ihre Korrelation zu verschiedenen Exilen.

Projektübersicht

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Bild Bild Bild © Tatjana Jouravleva
Auftaktveranstaltung der DFG-Forschungsgruppe „TransExil. Verhandlungen von Ästhetik und Gemeinschaft im postrevolutionären Mexiko“, 22. Mai 2025, Leibniz Universität Hannover (© Tatjana Jouravleva)

Das Teilprojekt fragt nach der Funktion des Kinos in der Herausbildung einer transkulturellen Öffentlichkeit im postrevolutionären Mexiko, die sich prägnant von den traditionellen lokalen und nationalen Gemeinschaften des Theaters (institutionalisiert in städtischen Bühnen, Landesbühnen oder Volksbühnen) absetzt. Die Bedeutung der kinematographischen „Schaugemeinschaften“ – dies der zentrale heuristische Begriff – im mexikanischen Kontext und ihre Korrelation zu verschiedenen Exilen genauer zu bestimmen, ist ein Desiderat der Forschung, das für unterschiedliche Disziplinen relevant sein kann, die in den anderen Teilprojekten vertreten sind: die literaturgeschichtliche Avantgarde- und kulturwissenschaftliche Translationsforschung, die kulturanthropologische Materialitätsforschung ebenso wie die sozialwissenschaftliche Netzwerkforschung (Fellow-Projekt).

Die entsprechenden Vernetzungen und Gemeinschaftsentwürfe werden auf der Grundlage zweier einschlägiger mexikanischer Kinozeitschriften rekonstruiert, der von 1938 bis 1965 erscheinenden Cinema Reporter, und Nuevo Cine, das in den Jahren 1961 und 1962 erscheint. Zur Bestätigung der Hypothese der FOR muss gefragt werden, welche Funktion Exilierte in diesem Zusammenhang erfüllen. Transexilische Vernetzungen lassen sich von 1938 bis 1962 modellieren. Um die Artikulation von Gemeinschaft im Medium dieser Zeitschriften zu erforschen, sollen die Textbeiträge in Stichprobenjahrgängen fokussiert werden, die für Konzeptualisierungen von Gemeinschaft und Ästhetik transhistorisch auswertbar sind.

Schließlich sind es ebenfalls diese Beiträge, insbesondere im Vergleich der beiden Zeitschriften untereinander, die narrative Imaginationen und Revisionen von Gemeinschaft erkennbar werden lassen.

Das Teilprojekt hat vier Ziele, die durch entsprechende Arbeitspakete umgesetzt werden: Die Konstruktion des zu untersuchenden Korpus umfasst die (ergänzende) Digitalisierung der Zeitschriften Cinema Reporter und Nuevo Cine. Der Abschluss des ersten Arbeitspakets wird durch das Vorliegen eines digitalisierten Korpus als ersten Meilenstein markiert. In diesem Korpus können sodann Vernetzungen von Akteur:innen modelliert werden, indem relevante Metadaten entnommen und zu einem Netzwerkgraphen – dem zweiten Meilenstein des Teilprojekts – verknüpft werden. Ein drittes Ziel besteht darin, die Artikulationen von Ästhetik und Gemeinschaft in Stichprobenjahrgängen der Zeitschriften zu analysieren. Dazu wird manuelle Annotation ebenso wie quantitatives Topic Modeling eingesetzt. Zugehöriger Meilenstein ist hier eine Monographie (Dissertation). Schließlich sollen, dies ist das vierte Ziel, an den gleichen Stichproben Narrative von Gemeinschaft rekonstruiert werden. Das zentrale Instrument hierzu ist der Begriff der „narrativen Aggregation“ (Sommer). 

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