Das Teilprojekt analysiert die Zusammenhänge sowie gegenseitigen Einflussnahmen von Antropología, Indigenismus und lokalen Materialitäten im postrevolutionären Mexiko und richtet den Fokus auf die Exilierten des Bauhaus sowie die Künstler:innen des Taller de Gráfica Popular.
Projektübersicht
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Tatjana Jouravleva
Das Teilprojekt untersucht die Zusammenhänge und gegenseitigen Einflussnahmen von Antropología, Indigenismus und lokalen Materialitäten, darunter auch solche aus der präkolumbischen Zeit. Analysiert wird, wie die Exilant:innen in ihrer ästhetischen Arbeits- und Alltagspraxis mit diesen Wissensbeständen und Materialitäten interagierten. Die zentrale Frage ist, wie durch diese spezifischen Verflechtungen im „diasporischen Raum“ (Brah 2003) des Exils Vorstellungen von Ästhetik und Gemeinschaft neu verhandelt wurden.
Im Mittelpunkt stehen Hannes Meyer und Lena Meyer-Bergner aus dem Bauhaus, die 1938 (erstmals) nach Mexiko kamen, sowie die 1933 in die USA migrierten Anni und Josef Albers (Bauhaus, dann Black Mountain College), die Mexiko seit den späten 1930er bis in die 1950er Jahre regelmäßig besucht haben. Außerdem werden zwei Künstlerinnen des Taller de Gráfica Popular (TGP) in den Blick genommen: die afro-amerikanische Grafikerin und Bildhauerin Elizabeth Catlett sowie die Fotografin Mariana Yampolsky. TP4 untersucht die Fragestellungen aus der Perspektive der ästhetischen Praxis der genannten Exilant:innen.
In den Begegnungen der Exilierten aus unterschiedlichen nationalen Kontexten mit der transkulturellen Wirklichkeit Mexikos ist die Antropología zentraler Knotenpunkt der mexikanischen Exilforschung,
da sie den wissenschaftlichen Diskurs und die politische Agenda des Indigenismus sowie (seine) ästhetische Praxis mit Rückgriffen auf die präkolumbische Zeit verbindet.
Eine wichtige Frage ist dabei das Verständnis von Indigenität, das in die Neu-Konzeptualisierung von Gemeinschaft und Ästhetik einfließt. Drei privilegierte, empirisch konkrete Räume in der Konstruktion und Aushandlung von Gemeinschaft – und damit Kontaktzonen (Pratt) – waren die Schule, die Werkstatt und die Sammlung. Diese sind auf jeweils unterschiedliche Weise mit dem „diasporischen Raum“ des TransExils vernetzt. In diesen Räumen fanden die Interaktionen der Exilant:innen, Vertreter:innen der Antropología/des Indigenismus und weiterer Akteur:innen, vermittelt über lokale Materialitäten, und die Neu-Konzeptualisierung von Ästhetik und Gemeinschaft statt.
In interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Kulturanthropologie/Altamerikanistik und Kunstgeschichte werden lokale Materialitäten analysiert, in Archiven geforscht und Beziehungen zwischen den Akteur:innen rekonstruiert, Ego-Netzwerke der Akteur:innen rekonstruiert, um so revidierte Konzeptualisierungen, Imaginationen und Praktiken im TransExil herauszuarbeiten.